Kolumne

Darf man sich trotz Krise gut fühlen?

Das kennt ihr sicher auch: Ihr schaut euch News an, scrollt durch Social Media oder hört die Radio-Nachrichten – und überall dasselbe Bild. Die Welt versinkt in Kriegen, Krisen und Katastrophen. Irgendwo gab es wieder einen Messerangriff und ein weiteres Traditionsunternehmen meldet Insolvenz an. Draußen in der Welt sterben Menschen durch Bomben und Raketen. Und selbst, wenn wir das alles überleben, wird uns die Klimakatastrophe hinwegraffen. Erschienen Probleme früher lokal begrenzt, macht sich heute das Gefühl breit, die Welt befinde sich in Auflösung.

Bei so viel schlechten Nachrichten wundert es nicht, dass uns das zunehmend aufs Gemüt schlägt. Angststörungen und Depressionen aufgrund der allgegenwärtigen „Multikrise“ nehmen deutlich zu, stellen auch Psychologen wie Dr. Jan Dreher von der Klinik Königshof fest. Klar, einige Weltprobleme, wie die Klima- und Umweltkrise können sehr wohl Auswirkungen auf unser Leben haben, ist sich auch Dr. Dreher bewusst. Trotzdem empfiehlt er, sich bei allen Krisenmeldungen zu fragen, was davon mich wirklich persönlich betrifft. Um sich nicht durch Horrormeldungen überfluten zu lassen, sollte man diese Botschaften nur gut dosiert aufnehmen – nicht jede Stunden Nachrichten im Radio und zwischendurch diverse News-Portale. Trotz der Krisen der Welt ist es nicht unmoralisch, das eigene Leben in den Fokus zu nehmen. Das können wir, anders als die Weltprobleme, nämlich direkt beeinflussen. Denn, wie beim Notfall im Flieger, soll man sich zuerst selbst die Sauerstoffmaske aufziehen, bevor man daran geht, anderen zu helfen.

Foto: pexels/Ricardo Oliveira
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